Erfahrungsberichte
Auf dieser Seite stellen wir Ihnen Erfahrungsberichte von Haltern zur Verfügung.
- Neuzugänge können krank sein! - Von der Wichtigkeit eines tierärztlichen Eingangschecks.
- Nanda - Operation einer Fußfehlstellung
- Aspergillose - Pilze in der Lunge
- Kojak - ein kahlköpfiger Nymphensittich
- Sperrmüll - ein Bericht über zwei Nymphensittiche, die in schrecklichem Zustand auf dem Müll gefunden wurden.
- PDD - Diagnose: Neuropatische Drüsenmagendilatation
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Text: Jana Rückschloss
Erfahungsberichte:
1) Von der Wichtigkeit eines tierärztlichen Eingangschecks
Sophie (Hotaru im Forum) berichtet über zwei Neuzugänge die krank waren.
Im Februar 2008 zogen Bibi & Bart bei uns ein. Bevor sie zu unseren anderen Nymphensittichen in die Voliere ziehen konnten, sollten sie zur Eingangsuntersuchung zu unserer Tierärztin. Die Vögel waren beide sehr jung und sahen gesund aus. Sie waren noch nicht durch viele Hände gegangen und seit über einem halben Jahr nicht mehr mit anderen Nymphies in Kontakt gekommen. Woher hätten sie Krankheiten haben sollen? Ich war selbst krank zu der Zeit und hatte absolut keine Lust mir und den Vögeln einen Tierarztbesuch zuzumuten. Naja, ich überzeugte mich mit Mühe vernünftig zu sein und fuhr zum Tierarzt.
Dann die Diagnose: Spulwürmer!
Wir wussten gar nicht wo uns der Kopf stand, denn ich hatte vorher schon von den schrecklichen Todesfällen bei Wurmbehandlungen gelesen. Das war immer meine Horrordiagnose. Wir waren nur froh, dass wir die Neuzugänge untersuchen ließen und vorher Quarantäne einhielten. So konnten sich die anderen 4 Nymphies nicht anstecken.
Nach ausführlichen Gesprächen mit unserer Tierärztin kamen wir zum Entschluss die beiden Vögel mit Panacur behandeln zu lassen. Zum Glück ging alles gut.
Doch dann kam der Teil der Quarantäne, der uns als menschliche Mitbewohner einiges abverlangte: Als „Quarantäneraum“ musste unsere Küche herhalten. Da nun abzusehen war, dass die beiden Vögel noch mindestens 5 Wochen dort leben würden (2,5 Wochen bis zur nächsten Behandlung und dann noch mindestens 2,5 Wochen zur Kontrolle) bedeutete das für uns:
- mindestens 5 Wochen keine Pfannen benutzen (oder sonst was in der Küche produzieren, dessen Dämpfe nicht gut für die Vögel sind)
- die Küche freiflugsicher machen
- regelmäßig gründlich den Käfig reinigen
Aber wir überbrückten die Zeit ganz gut,denke ich, und die Vögel gewöhnten sich gut an uns und ihre suboptimale Unterbringung.
2,5 Wochen nach der 2. Behandlung fing ich an eine Kotprobe (über 3 Tage) zu sammeln und brachte sie bei der TÄ vorbei, die uns dann endlich endgültige Entwarnung geben konnte: Bibi und Bart waren wieder gesund und konnten in die Voliere einziehen!
Fazit: Egal wie gesund ein Vogel aussieht und wie unwahrscheinlich eine Krankheit ist, eine Ankaufsuntersuchung lohnt sich immer! Ich mag mir nicht ausmalen, was das an Geld und Stress bedeutet hätte alle 6 Nymphies einzufangen und zu behandeln und die ganze Voliere zu desinfizieren.
von Jana
2) Operation einer Fußfehlstellung
Ein Bericht von Jasmin Wais (El Zahid)
Am 20.12.2006 zog Nanda bei uns ein. Nanda wurde von einem Forenmitglied zusammen mit ihrer 11köpfigen Familie aus einem dunklen Schuppen befreit. Die Vögel lebten dort in völliger Dunkelheit und waren halb verhungert. Nanda und ihr Brüderchen Milano waren die beiden jüngsten und sichtbar am stärksten mitgenommenen. Milano fehlten einige Zehen und er war so schwach, dass er sich nicht mal auf der Stange halten konnte. Nanda konnte letzteres zwar, hatte aber ein gebrochenes Bein, welches durch die fehlende Behandlung schief zusammengewachsen war. Es stand komplett nach außen ab, so dass Nanda nur auf ihrem Gelenk laufen bzw. humpeln konnte.
Als sie zu uns kam hatte ich zuerst schon ein wenig Sorge, ob sie überhaupt klarkommen würde. Da aber bereits vorher ein einbeiniger Nymphenhahn bei uns gelebt hat (der leider verstorben ist) war unsere Voliere bereits behindertengerecht eingerichtet. Nanda fand sich auch sehr schnell zurecht und wickelte bald sowohl uns Menschen als auch die anderen Nymphies mit ihrem unwiderstehlichen Charme um die Kralle. Nachdem sie sich ein wenig eingelebt hatte, fuhr ich mit ihr zum Tierarzt um sie röntgen zu lassen. Denn bis zu diesem Zeitpunkt war gar nicht klar, ob es sich tatsächlich um einen Beinbruch handelte, oder ob es eventuell doch Rachitis war. Auf dem Röntgenbild war dann sehr deutlich zu erkennen, dass es sich um einen schief zusammengewachsenen Bruch handelte. Nanda's linker Fuß stand nach außen ab.
Dort wo das Röntgenbild angefertigt wurde, gab es aber keine vogelkundigen Tierärzte (Ich ließ es in einer Kleintierklinik bei uns vor Ort anfertigen). Man riet mir, die Kleine lieber in Ruhe zu lassen, solange sie gut mit ihrer Behinderung klar käme. Diese Ansicht vertrat ich zunächst auch, denn Nanda kam sehr gut klar. Ich dachte mir, sie hat genug gelitten, warum soll ich ihr jetzt auch noch die Strapaze einer komplizierten Operation zumuten? Der nächste vogelkundige Tierarzt war 80km entfernt von mir - also wäre allein die Fahrt eine Strapaze für Nanda.
In den nächsten Wochen machte ich mir sehr viele Gedanken, las verschiedene Berichte über Beinoperationen bei Vögeln und machte mir vor allem Sorgen um Nandas gesundes Bein. Denn durch die Fehl- und Überbelastung war es bereits sehr schief und wies am Gelenk bereits eine kleine Druckstelle auf. Ich fragte mich, wie Nanda wohl damit alt werden sollte. Denn wenn schon jetzt nach so kurzer Zeit (sie war ja höchstens ein halbes Jahr alt) die ersten Folgen der Fehlbelastung zu sehen waren, wie sollte das dann erst in zwei oder drei Jahren aussehen? Somit begann ich nun doch über eine Operation nachzudenken. Das einzige Problem war: ich brauchte einen guten Tierarzt. Es sollte jemand sein, dem ich 100% vertrauen konnte und der sein Werk versteht. Zufällig bekam ich diesen Tierarzt von einer Freundin empfohlen und er war nur 35km entfernt von mir! Ich fuhr zunächst mit einem sehr kranken Nymphensittich meiner Tante zu diesem Tierarzt. Ich stellte fest, dass dieser Tierarzt wirklich ein ganz Besonderer war… ein Facharzt für Vögel mit einem ganz besonderen Humor. Und vor allem mit einem unglaublichen Ausmaß an Erfahrungen. Nachdem ich ihm Nandas Fall geschildert hatte, erklärte er mir, das sei überhaupt kein Problem - er könne den Vogel operieren. Ich sollte ihm nur unbedingt das Röntgenbild mitbringen. Gesagt - getan! Der Tierarzt bekam sein Röntgenbild und wir bekamen unseren OP-Termin am 09.02.2007 um 12:00 Uhr.
Vor diesem Tag hatte ich sehr große Angst. Der Tierarzt riet mir einen Käfig zu besorgen, der es Nanda nicht ermöglichen würde, zu klettern. Denn nach der OP durfte sie das Bein nicht belasten und vor allem die Kletterei wäre sehr schädlich für die Heilung des Beins. Nanda musste also nach der OP in Isolationshaft - zu ihrem eigenen Schutz. Diese Sache bereitete mir besondere Kopfschmerzen. Schließlich war es Nanda gewohnt bei den Anderen zu sein und liebte ihre Freiheit über alles. Sie ist hier eine der besten Flieger und das vor allem auch mit großer Begeisterung. Und nun sollte ich sie für eine Zeit von etwa zwei Wochen alleine in einem Käfig halten, wo sie doch nur die große Voliere mit der Gesellschaft von sechs anderen Nymphies und täglich Freiflug kannte. Aber natürlich wusste ich, dass es nicht anders ging. Dennoch war ich sehr in Sorge, dass gerade diese Tatsache Nanda am meisten zu schaffen machen würde. Ich besorgte einen Hamsterkäfig. Dieser bestand unten aus einer Plastikwanne auf die ein Oberteil aus Plexiglas gesetzt wurde. Nur das Dach bestand aus einem Käfiggitter, das man öffnen konnte. Somit konnte Nanda nicht im Käfig herum klettern, aber wenigstens ihre Artgenossen sehen. Nanda in Isolationshaft.
Und dann war der große Tag da. Wir fuhren zum Tierarzt. Es war das erste Mal, dass er Nanda überhaupt sah, vorher hatten wir alles anhand der Röntgenbilder abgeklärt. Er war sehr begeistert von der kleinen Maus, andererseits aber doch irritiert, als er ihr Bein sah. Er betrachtete es sehr lange und sagte immer wieder „hmmmmm… oje…. hmmmmmmmmmmmm“. Als ich ihn fragte, was denn los sei, erklärte er mir, dass der Eingriff doch komplizierter sei, als er anhand der Röntgenbilder angenommen hatte. Denn der Bruch befand sich fast direkt im Gelenk und das Gelenk selber hatte sich aufgrund einer Entzündung (die wahrscheinlich nach dem Bruch aufgetreten war) ein wenig in seiner Masse aufgelöst. Dennoch versicherte mir der Tierarzt, dass er das Bein operieren könne und dass es auf jeden Fall eine Besserung für Nanda wäre. Denn wenn wir die OP nicht machen würden, hätte Nanda mit großer Wahrscheinlichkeit in zwei bis drei Jahren durch die Überbelastung schwere Gelenkprobleme in ihrem gesunden Bein. Dann könnte man nichts mehr für sie tun, außer sie von ihren Schmerzen zu erlösen. Da der Tierarzt und ich uns einig waren, dass Nanda noch ein langes Leben haben soll, habe ich mich für die OP entschieden. Ich ließ Nanda also bei ihm zurück. Er sagte mir, ich solle um 17:00 Uhr wieder anrufen, dann könne er mir sagen, ob ich sie mit nach Hause nehmen darf oder ob er sie lieber zur Beobachtung dort behält. Ich verließ also die Praxis und war den Tränen nahe. Es war so ein schlimmes Gefühl die Kleine allein zurück zulassen und sie womöglich nicht wiederzusehen, falls etwas bei der OP schief laufen sollte.
Skizze der Knochenoperation Um 17 Uhr erhielt ich dann endlich die erlösende Nachricht: ich durfte Nanda abholen! Sie hatte alles gut überstanden, war schon wieder wach, aber noch ein wenig verwirrt. Als ich ankam sah Nanda in der Tat ziemlich durcheinander aus, machte aber schon wieder einen relativ munteren Eindruck. Der Tierarzt hatte ihr Beinchen mit einem sogenannten Schmetterlingspflaster verarztet. Das sind zwei Pflaster, die mit überstehenden Enden jeweils am Bein zusammengeklebt werden. Er erklärte mir, dass die OP doch schwieriger gewesen sei als erwartet. Um das Bein überhaupt wieder gerade zu bekommen, hatte er ein dreieckiges Stück aus dem Knochen gesägt, um anschließend diese künstliche Bruchstelle wieder zusammenzusetzen und zu nageln. Dies erklärte er mir anhand einer Skizze (siehe rechts) um es mir zu verdeutlichen.
Nanda hat zusätzlich noch ein Antibiotikum gespritzt bekommen, ansonsten bekam sie keine weiteren Medikamente um ihren Organismus nicht noch mehr zu schwächen. Da der OP-Termin an einem Freitag war, sollten wir am Montag zur Kontrolle wiederkommen. Übers Wochenende war Nanda noch ziemlich von der Rolle. Trotzdem schaffte sie es, ihr Schmetterlingspflaster beinahe komplett zu zerlegen. Vier Wochen lang musste Nanda dieses Pflaster tragen und in dieser Zeit auch in ihrer Isolierhaft bleiben. In dieser Zeit wurden mein Mann und ich wahre Meister beim Verbandswechsel, da Nanda es immer wieder schaffte, ihr Pflaster innerhalb von 2 Tagen völlig zu zerstören. Das durfte natürlich nicht sein, da die Gefahr bestand, dass sie sich den Nagel, der in ihrem Bein steckte und ein kleines Stück herausschaute, selber zog. Sie wäre womöglich auch an die Wunde gegangen und hätte diese aufgebissen. Nagel im Bein und der Fuß nach Ziehung des Nagels.
In diesen vier Wochen waren wir einmal wöchentlich zur Kontrolle beim Tierarzt. Er war sehr zufrieden mit Nandas Zustand. Sie fraß etwas weniger als sonst, aber nicht besorgniserregend und sie langweilte sich ohne Ende in ihrem Hamsterkäfig. Dennoch war sie putzmunter und machte keineswegs den Eindruck, als hätte sie gerade einen derart schwierigen Eingriff hinter sich. Nach vier Wochen zog der Doc dann den Nagel. Hierbei zeigte sich auch deutlich, wie gut Nandas Wundheilung funktionierte. Der Nagel war komplett eingewachsen, so dass der Tierarzt Nanda nochmal in Narkose legen musste um ihn zu ziehen. Nach der Ziehung des Nagels gab es ein neues Problem. Dadurch, dass Nandas Bein vorher „um die Kurve“ ging, waren ihre Sehnen nun zu lang. Sie war nicht in der Lage ihre Zehen zu bewegen, so dass diese schlaff herabhingen. Sie trat auf die nach hinten verkrümmten Zehen auf. Um dem entgegenzuwirken wickelte der Tierarzt Nandas Zehen nach der Ziehung des Nagels so in Tape ein, dass sie gerade bleiben mussten. Er nannte dies ein „Paddel“ und verordnete, dass Nanda dieses Paddel für zwei Wochen tragen sollte. Danach sollten wir es entfernen. Sollten die Zehen sich weriter nach hinten verbiegen, sollte ein neues Paddel für weitere zwei Wochen angelegt werden.
Nachdem wir dann nach zwei Wochen das Pflaster entfernten, war die Freude groß. Die Zehen blieben in einer geraden Position. Nanda schien selber kaum begreifen zu können, dass das nun ihr Bein ist. Immer wieder hob sie ihr Füßchen hoch und begutachtete es von allen Seiten und biss auch mal probeweise hinein. Ich bin nicht dafür, einen Vogel zu vermenschlichen, aber es war eindeutig, dass Nanda selber erstaunt darüber war, wie ihr Beinchen jetzt aussah. Natürlich ist das Bein nicht vollständig funktionstüchtig, es wird immer ein wenig steif bleiben und greifen kann Nanda nach wie vor nicht, aber sie hat nun zwei gerade Beine, die sie gleichmäßig belasten kann.
Auf dem oberen Bild sieht man den Nagel, der in Nandas Bein steckte. Zum Größenvergleich habe ich einen Lippenstift daneben gelegt. Das untere Bild ist kurz nach Entfernung des Paddels entstanden. Nanda sitzt noch etwas schief und das Bein ist angeschwollen.
Seitdem Nanda nun alles überstanden hat, scheint sie noch lebensfroher und fröhlicher zu sein als je zuvor. Außerdem ist sie erstaunlich zahm geworden, obwohl ich eher erwartet hätte, dass sie uns das ständige Greifen und verarzten übelnimmt. Sie scheint zu wissen, dass wir es nur gut gemeint haben mit ihr.
3) Aspergillose - Pilze in der Lunge
Wally hat durch die Aspergillose einen Nymphensittich verloren. Über die Behandlung ihres Schwarms hat sie für uns einen Bericht geschrieben:
Etwa zwei Wochen bevor bei meiner Sunny Aspergillose diagnostiziert wurde, habe ich im Forum einen Thread gelesen, in dem jemand berichtete, dass ihre Nymphen Bakterien haben. Sie schrieb: „Gott sei Dank ist es keine Aspergillose.“ Da ich vorher noch nie etwas davon gehört hatte, habe ich mich im Internet schlau gemacht, und war beruhigt. Überall las ich diese Krankheit komme schleichend über Jahre. Meine Vögel sind aber jung, haben ganztags Freiflug, also können sie ihre Luftsäcke gut durchpusten. Mein Futter habe ich von einem sehr guten und gewissenhaften Hersteller, Vitamine bekommen sie auch genug.
Dann aber - es war ein Mittwoch - ohne jedes Voranzeichen ging es Sunny schlecht. Die Nymphen haben am Morgen wie immer mehrere Runden im Zimmer gedreht. Plötzlich ist meine Sunny notgelandet und fing schrecklich zu Keuchen an. Voller Panik bin ich sofort mit ihr zum Tierarzt. Die Abstriche waren alle ohne Befund, also hat sie nur eine Herz-Kreislauf Spritze bekommen. Da ich aber beunruhigt war, bin ich eine Stunde später den langen Weg zu einem vogelkundigen Tierarzt gefahren. Er sah die Kleine und meinte sofort, wenn sie ein Papagei wäre, dann würde er auf Aspergillose tippen. Sittiche bekommen aber eigentlich keine. Also spritzte er ihr ein Depot Antibiotika.
Ihr Zustand verschlechterte sich leider. Am Donnerstag bin ich gleich in der Frühe wieder zu ihm. Ich habe die Maus dort gelassen. Oh Gott, es war für immer. Hätte ich das gewusst, hätte ich nur geahnt dass ich sie in einem kleinen Karton zurückbekomme, ich hätte mich mit Sicherheit anders verabschiedet. Nein ich hätte sie nie dort gelassen.
Am Sonntag ging es ihr noch nicht besser. Sie wurde Zwangsernährt. Bis dann gegen 19 Uhr der Anruf kam, den ich nie vergessen werde. Sunny war über die Regenbogenbrücke geflogen. Immer wieder quälen mich die Gedanken, ob sie nicht mehr wollte, weil wir sie alleine gelassen haben?
VoliereDer Tierarzt hat sie, weil er unbedingt auch wissen wollte woran meine Maus gestorben ist, am selben Abend obduziert. Die Diagnose lautete „ASPERGILLOSE “ so groß wie ein Kirschkern und Leberversagen. Die Theorie Aspergillose verlaufe schleichend hat sich bei mir widerlegt. Es gab wie keinerlei Voranzeichen. Das Gefieder war top. Der Kot normal, das Gewicht bis zuletzt ebenfalls. Und vor allem sie war gerade 8 Monate alt!
Nun hatte ich in letzter Zeit zwei Neuzugänge und habe sie vom Tierarzt untersuchen lassen. Auf dem Röntgenbild sieht man bei beiden Tieren einen Schatten auf der Lunge. Noch nicht groß, bei dem Einen mehr als bei dem Anderen. Die Tierärztin meinte ich solle prophylaktisch alle meine acht Vögel mit „Lamisil Oral“ behandeln. Allerdings sei Oral eigentlich nicht so gut, da es von der Leber abgebaut wird. Allein der Gedanke ich müsse die Vögel greifen trieb mir die Schweißperlen auf die Stirn und brachte meinen Herzschlag auf Hochtour. Ich habe zwei sehr scheue Vögel und nicht einmal bei meiner Handaufzucht (bei ihr habe ich es einmal versucht) hat es geklappt. Einzig und allein ihr Häubchen war nass, der Schnabel blieb aber ohne einen Tropfen. Und der Stress 14 Tage… Oh weh!
Dann kam der Pari. Hätte ich gewusst was das für ein Apparat ist, dann hätte ich mir günstiger einen gebrauchten Kompressor gekauft und nur den Vernebler neu. Das Gerät funktioniert wie eine Luftpumpe. Man könnte auch einen anderen strombetriebenen Kompressor nehmen und bräuchte dann nur noch den Vernebler den man auf den Schlauch aufsteckt.
VoliereIch habe also mit Lamisil inhaliert. Es war Entspannung pur. Wir haben den Vernebler direkt unter dem Volierendach angebracht. Angst, wie ich befürchtet hatte, hatten sie nicht. Meine Geierchen sind ganz nahe an den Vernebler rangerückt. Da das Lamisil geruchlos ist, denke ich mal sie haben den feuchten Nebel genossen. Denn eine hohe Luftfeuchtigkeit ist für Nymphensittiche angenehmer, als die trockene Raumluft in der Heizperiode. Ich habe immer am Morgen inhalieren lassen, bevor ich sie raus gelassen habe. Auch das Brummen des Kompressors hat sie nicht gestört. Die Voliere habe ich mit riesigen Bettlaken eingehüllt, um den Effekt des Gerätes zu maximieren. So haben auch meine zwei scheuen Nymphen das Lamisil stressfrei bekommen. Wenn ich es in den Schnabel hätte geben müssen, und dann noch 14 Tage *schreck* das wäre eine Katastrophe geworden. Die zwei hätte ich niemals einfangen und sicher fixieren können.
Was ich abschließend noch erwähnen möchte: Auch ein Vogelkundiger Arzt ist nicht immer der Richtige, wenn er nur auf Wildvögel oder Großvögel spezialisiert ist. Diesen Bericht hat Wally verfasst.
4) Kojak …und sein Weg
Jessy hat einen kahlköpfigen Nymphensittich adoptiert: Kojak. Für unsere Seite hat sie einen Bericht über ihn geschrieben:
Das erste Mal las ich im Juli 2006 in den Vogelforen von Kojak. Eine junge Frau –Yvonne-, die sich sehr für die Abgabevögel im Tierheim Herne Wanne einsetzt, stellte eine ganze Reihe an Nymphensittichen vor, die ein schönes neues zu Hause suchten. Sie eröffnete unter Anderem das Thema: „Nymphensittich mit Glatze sucht ein neues Heim“, welches mich neugierig machte. Ich las den Thread und sah das Foto von Kojak der zu dieser Zeit im Tierheim Herne Wanne saß … und na ja, ich meldete mich und habe mein Interesse an dem armen Kerl mitgeteilt!
Nach langem hin und her und nach einer nicht so einfachen Organisation der Mitfahrgelegenheit kam Kojak dann, dank einiger netter Fahrer mit nach Ansbach (Bayern) zu einem Forentreffen. Von dort aus, nahm ihn eine Bekannte mit zu sich nach Hause, wo ich ihn dann am 7. September abgeholt habe.
Kojaks Alter ist unbekannt und auch von seiner Geschichte, wie er zu seiner Glatze kam, woher er stammt, wie er lebte, wie lange er schon im Tierheim saß usw. weiß ich leider nichts. Was aber auch nicht weiter tragisch ist, wichtig ist, dass er nun hier ist!
KojakKojak musste, wie alle meine Neulinge, zuerst in die Vogelklinik nach Oberschleißheim zum Gesundheitscheck. Es wurde ein Kropfabstrich gemacht, der Kot wurde untersucht und ein wenig Blut musste Kojak lassen. Das Ergebnis: Ein gesunder Vogel! Den Test auf PBFD, der schlimmen Feder- und Schnabelkrankheit, konnte ich mir lt. meiner Tierärztin sparen, da die Anzeichen dafür nicht gegeben sind. Seine Glatze stammt, nach den Vermutungen der Ärztin von einem oder mehreren anderen Vögeln –evtl. auch Nymphen- die Kojak gehakt und gerupft haben müssen. Bei genauem betrachten sind deutlich Hackspuren - „kleine Dellen“ auf Kojaks Köpfchen zu sehen. Ob Kojak jemals wieder eine schöne Haube haben wird, kann man nicht sagen, da keiner weiß wie stark die Federkiele bei diesen Attacken verletzt wurden. Zur Anregung des Stoffwechsels, bekommt er Catosal ins Trinkwasser, welches das Federwachstum anregen soll.
Von der Vogelklinik zurück, in seinem neuen zu Hause, musste Kojak trotz seiner Gesundheit erstmal einen Quarantänekäfig beziehen, ich wollte ihn und sein Verhalten ein wenig beobachten und kennen lernen.
Kojak saß ruhig und fast schon gelangweilt in seinem Käfig, frische Äste mit Laub oder Obst/Gemüse scheint er gar nicht zu kennen. Zumindest wurde es nicht eines Blickes gewürdigt geschweige denn mal probiert. Nach fünf Tagen stellte ich ihn dann in seinem Käfig neben die Voliere, in der meine anderen Nymphen wohnten, die Neugier war groß und es dauerte nicht lange bis Kojak den ersten Ton von sich gab, der Erste seit seiner Ankunft wohl gemerkt. Und auch meine Bande war neugierig was denn nun für einer kommt.
Weitere fünf Tage vergingen, vor dem Volierengroßputz wird bei uns immer geduscht und ich staunte nicht schlecht, denn auch Kojak duschte mit in seinem Quarantänekäfig. Vorher wich er dem warmen herunter rieselnden Wasser immer aus! Es war ein wunderbares Bild, wie er sich dem Wasser hinstreckte und kopfüber an den Ästen hing bis er fast hinunter fiel. Die Geier putzten sich oben und ich unten den Volierenboden.
Dann war es so weit - am 19. September durfte Kojak in eine frisch geputzte Voliere ziehen. Ob ihn das überhaupt interessierte?
Kojak war sichtlich erleichtert, als er die ersten Flügelschläge machen konnte. Er war wie ausgewechselt, wetzte seinen Schnabel an den Ästen, war übermütig und fing sogar das schreddern eines Astes an. Gut zehn Minuten wirbelte er wie ein Wind durch die Voliere, knabberte an allem einmal und huschte dann auch schon weiter. Bis er dann bemerkte das ihn zehn weitere Augenpaare wie hypnotisiert zuschauten. Die bisherige Volieren – WG hatte sich an den Seitenästen nieder gelassen und beobachtete alles ganz genau. Langsam aber sicher ging Kojak dann auch bei den anderen Nymphen auf Tuchfühlung. Gleich von Anfang an schloss er sich meinem Ältesten Paar Sammy und Persey (7 Jahre jung) an. Zusammen mit dem Paar entdeckte er weiter die Voliere, den Futterplatz und siehe da - auch frische Äste mit Laub machen Spaß, dass Obst wurde probiert (und für gut befunden) und ein Schlafplatz wurde ausgewählt.
Mittlerweile lebt Kojak 6 Wochen bei uns, davon 4 Wochen mit den anderen Nymphen zusammen in der Voliere. Er ist inzwischen ein festes Schwarmmitglied und in der Rangordnung relativ weit oben zu finden. Das hat mich persönlich ein wenig überrascht, ich führe es einfach mal auf das Alter zurück, da mein Schwarm aus sehr viele Jungtieren im Alter zw. 2-4 Jahren besteht.
Noch ein Wort zur Federpracht am Kopf: Bis heute (3. November 2006) hängen an Kojaks Glatze lediglich ein paar Flaumfederchen und 1 richtige Feder. Kommt Zeit, kommt Kopfschmuck, wer weiß!
Diesen Bericht hat Jessy verfasst.
5) Verhaltensstörungen
Unglaublich, was manche Nymphensittiche durchmachen müssen. Gut, dass es Menschen gibt, die sich solcher Tiere annehmen. Kerstin hat neben ihrem fehlgeprägten Hahn Nic, auch zwei Hähne aufgenommen, die auf dem Sperrmüll gefunden wurden.
CharlesNachdem wir umgezogen waren und die neue Wohnung ein extra Vogelzimmer hergab, war es keine Frage, daß unsere zwei Nymphen nicht länger alleine bleiben sollen. Also rief ich die umliegenden Tierheime an und durchstöberte die Anzeigen in diversen Foren und Zeitungen nach Abgabevögel, die ein neues Zuhause suchen. Fündig wurde ich in den Vogelforen, dort wurde inseriert, daß in einem Tierheim zwei Nymphensittiche auf ihre neuen Besitzer warten. Der Anruf war ernüchternd. Man sagte mir, daß das Nymphensittichpärchen schon vermittelt sei, aber es wären noch zwei alte Vögel da, die schon länger im Tierheim sitzen würden, weil sie nicht vermittelbar wären. Sie würden schon über ein Jahr da sitzen, einer hätte wenige Federn und sie könnten beide nicht mehr fliegen. Auf meine Frage, warum sie nicht vermittelbar seien, antwortete man mir, dass sie keiner haben will, weil sie so schlimm aussehen! Also sind wir zwei Tage später dorthin gefahren um uns die beiden anzusehen.
Bei unserer Ankunft wurden wir von der Tierheimleiterin erstmal ins Büro gebeten, wo sie uns die Vorgeschichte von Charles und Eddie erzählte. Jemand hatte die beiden zufällig auf einer abgelegenen Straße bei illegal entsorgtem Sperrmüll gefunden. Bis auf die Knochen abgemagert und völlig dehydriert wurden sie im Tierheim abgegeben, wo sie erstmal notdürftig versorgt wurden. Charles war der Einzige, der einen Ring trug, über die Ringausgabestelle fand das Tierheim heraus, dass der Ring ca. 20 Jahre alt ist.
Dann durften wir in den Verschlag, in dem die Beiden saßen. Der Anblick war mehr als erschreckend. Charles hatte sich bis auf wenige Schwung- und Schwanzfedern, fast alle Federn abgefressen, war ziemlich unterernährt und hatte offensichtlich ein Problem mit der Atmung. Aber er hatte neugierige Augen und als ich mit der Hand auf ihn zukam, senkte er gleich den Kopf um sich kraulen zu lassen.
Eddie hingegen war bis auf einen kahlen Hals voll befiedert, aber auch er war sehr mager und atmete schwer. Aber im Gegensatz zu Charles war Eddie sehr ängstlich, flüchtete in die hinterste Ecke um uns von dort aus anzufauchen.
Es gab für uns nichts zu überlegen, die beiden mussten unbedingt dort raus und erstmal gründlich von einem vogelkundigen Tierarzt untersucht werden! Wir haben die beiden gleich mitgenommen und zwei Tage später bin ich mit ihnen zum Tierarzt gefahren. Die Untersuchungen waren ziemlich anstrengend für die beiden und die Ergebnisse waren entmutigend:
Charles hatte einen Schimmelpilz (Aspergillus) auf der Haut und gleich zwei verschiedene Schimmelpilze (Aspergillus und Mucor) in der Lunge und den Luftsäcken. Das Röntgenbild zeigte deutliche Verschattungen der Lunge und der Luftsäcke. Diagnose: hochgradige Aspergillose! Unter den Flügeln hatte er zwei ca. zwei-Eurostück-große nässende Ekzeme, sein rechter Fuß war geschwollen, er hatte hochgradigen Milbenbefall, im Kot fanden sich Spulwurmeier und man wies hochgradig Stayhylokokken nach. Eddie hatte ebenfalls Aspergillose, Milben, Spulwürmer und Staphylokokken. Ausserdem fehlt ihm ein Stückchen eines Nasenlochs, welches wahrscheinlich durch den Wasserentzug ausgetrocknet war und abgestorben ist. Seine Nase ist eingetrocknet und graubraun. Auf dem Röntgenbild konnte man eine verheilte Fraktur des rechten Flügels erkennen sowie ein vergrößertes Herz.
Von da ab hieß es erstmal aufpäppeln, Vitamine und Mineralstoffe zuführen und den Pilz bekämpfen um die Atmung zu verbessern.
Zwei Wochen lang mussten die beiden täglich ein Pilzmittel in den Schnabel eingegeben bekommen, danach mehrere Wochen lang ein weiteres Pilzmedikament inhalieren.
Nachdem alle Ergebnisse da waren, durften die beiden endlich zu unseren beiden Nymphen Cookie und Nic, was natürlich ein großes Hallo gab. Zum Glück wurden Beide freundlich aufgenommen, obwohl es ab da drei Hähne und nur eine Henne waren.
Aber das Zimmer ist groß genug, um sich notfalls auch aus dem Weg gehen zu können, es gibt genügend Äste und Versteckmöglichkeiten, es gab nie Revierstreitigkeiten.
Neugierig wurde alles erkundet, im neuen Zuhause gibt es Äste und einen Kletterbaum, eine Sandkiste zum Wühlen, eine kleine Vogelwiese in einem Balkonpflanzkasten und ein vergittertes Fenster um ungefilterte Sonne tanken zu können. Außerdem gibt’s fast täglich frische Zweige mit Blättern zum Schreddern, als Beschäftigungstherapie. Der neue Lieblingsplatz war ab da erstmal der höchste Ast, den man bequem vom Dach der kleinen Voliere, welche als Futterplatz und Rückzugsmöglichkeit dient, zu Fuß erreichen kann.
Es stellte sich heraus, dass Charles sehr kurze Strecken mit seinem spärlichen Gefieder fliegen konnte, allerdings bekam er danach fast keine Luft mehr. Für Eddie war es trotz des intakten Gefieders auch nicht möglich, weiter zu fliegen, der Pilz machte beiden arg zu schaffen.
Weiter ging in den nächsten Monaten mit der Bekämpfung der Würmer, der Milben, der Staphylokokken (welche vermutlich für Charles‘ geschwollenes Füßchen und die Ekzeme verantwortlich waren) und wieder die Pilzbekämpfung. Alles natürlich mit entsprechenden Pausen dazwischen und viel Pflege. Die Atmung wurde nur sehr langsam besser, aber… die ersten Federn wuchsen bei Charles und er machte die ersten trockenen Flugübungen, indem er die Flügel spreizte und sich kopfüber von den Ästen runterhängen lies und flatterte!
Charles rupfte sich anfangs die neuen Federn alle gleich wieder aus, aber nach und nach ließ er davon immer mehr ab und beschäftigte sich mit anderen Dingen. An Eddies Hals wachsen leider nach wie vor keine Federn.
Dann kam Eddies großer Tag, es zogen noch zwei Hennen ein, um das Gleichgewicht zwischen Hennen und Hähnen herzustellen. Eddie war von Anfang an begeistert und schaffte es sogar, sich mit einer der Hennen zu paaren. Er erlebte seinen zweiten Frühling (mit geschätzten 20 Jahren!), Charles hingegen scheint sich nach jahrelanger schlechter Haltung mit einem Hahn nicht mehr für das weibliche Geschlecht begeistern zu können, er balzt lieber seinen Freund Eddie an und singt für ihn die schönsten Arien. Mittlerweile sind Charles und Eddie seit ca. einem Jahr bei uns.
Charles ist bis auf ein paar wenige Stellen vollständig befiedert, kann durch die ganze Wohnung fliegen und ist ein neugieriger hübscher Nymphensittich geworden. Seine Atmung ist fast unauffällig, allerdings wird er für den Rest seines Lebens sporadisch gegen den Pilz inhalieren müssen.
Eddie hat - nach wie vor- vor den Menschen lieber seine Ruhe, aber auch ihm geht es gesundheitlich deutlich besser als noch vor einem Jahr. Er balzt und singt und genießt sein Leben, aber auch er wird, wie Charles, immer inhalieren müssen.
Wenn man die beiden heute sieht, kann man kaum glauben, dass sie als nicht vermittelbar galten und eigentlich schon aufgegeben wurden. Wahrscheinlich haben die beiden selbst nicht mehr geglaubt, dass sie irgendwann mal in einem kleinen Nymphenschwarm fliegen dürfen und nicht mehr in einem Käfig mit falscher Gesellschaft sitzen müssen.
Die positive Entwicklung von Charles und Eddie mit verfolgen und dazu beitragen zu dürfen, war ein sehr beeindruckendes Erlebnis und ich hoffe, dass noch sehr viele Abgabvögel ein ähnliches positives Ende ihrer Haltungslaufbahn erleben dürfen.
von Jana
6)Diagnose: Neuropatische Drüsenmagendilatation
Ein Bericht von Christian Scheibel (Christian1) Ein Kurzportrait der Krankheit finden Sie >> hier.
Ich möchte damit all jenen Mut machen, die auch irgendwann einmal mit der Diagnose PDD konfrontiert werden. Die Krankheit ist ernst zu nehmen, und gefährlich, aber sie ist kein Todesurteil, und betroffene Vögel können bei entsprechender Pflege ein ebenso lebenswertes wie glückliches Leben führen.
Als ich im Januar 2007 den Entschluss gefasst hatte, mir Nymphensittiche nach Hause zu holen, habe ich mich zuvor ausgiebig erkundigt auf was bei der Haltung zu achten ist. Nicht nur der Standort, und die Beschaffenheit der Voliere, sondern auch die Ernährung und die tägliche Abwechslung standen im Fokus. Das nur ein Pärchen in Frage kam, war somit von Beginn an klar. Mein Ziel war es, zu meinem Geburtstag Ende Februar, alles fertig zu haben, um mir an diesem Tag meinen großen Wunsch auch erfüllen zu können. Es wurde somit die Voliere in Auftrag gegeben und am Wochenende montiert, die Vogellampe wurde installiert, alle gefährlichen Kabel gesichert, giftige oder zweifelhafte Pflanzen ausgelagert, Schlitze verbaut, usw. Ich hatte es geschafft und konnte mir an besagtem Datum meine zwei Lieblinge in der Handlung abholen. Ich war überglücklich! Alles verlief so wie ich es mir ausgemalt hatte. Der Umzug ins neue Heim verlief ruhig und ohne Zwischenfälle.
Die ersten Wochen waren ein gegenseitiges Beobachten bis irgendwann die Neulinge aktiver wurden und erste Annäherungen nicht mehr in Panik endeten. Ich hatte in dieser Zeit große Unterstützung in einem Nymphensittich Forum, und habe jeden Tag dazugelernt. An eine Krankheit dachte damals noch niemand. Ich hatte eine Erfüllung in meinem neuen Hobby gefunden, und nutzte jede, mir sich bietende Quelle um weitere Informationen, und Anregungen zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt waren Leopold und Amadeus seit ca. 4 Monaten bei mir. Ich habe mir damals mein erstes WP-Magazin gekauft, in dem ein sehr interessanter Artikel über die Krankheit PDD und einen erkrankten Graupapagei war. Ich las mir diesen Artikel auch durch, aber nicht mit gesteigertem Interesse, so wie es halt ein Außenstehender macht. Damals dachte ich mir auch was für ein Schlag es sein muss, sich als Halter plötzlich mit so einer schweren Krankheit konfrontiert zu sehen. Ich hätte zu diesem Zeitpunkt niemals gedacht, mich in etwas weniger als einem Monat selbst damit auseinandersetzten zu müssen. Meine Vögel wuchsen mir mit jedem Tag mehr ans Herz, und es war für mich als würden sie schon ewig zu mir gehören. Dann kam das schicksalhafte Wochenende, an dem alles anders werden sollte.
Am Samstag den 8. September 2007, abends, fiel mir bei der täglichen Käfigkontrolle das erste mal veränderter Kot am Volierenboden auf, zwar nur vereinzelt, aber doch vorhanden. Am Sonntagmorgen galt deshalb auch mein erster Blick in den Käfig, nicht den Vögeln sondern dem Boden, und da sah ich ganz deutlich unter Amadeus`s Schlafplatz eine auffällige Menge besagten Kotes. Die Menge wirkte normal, aber das war auch schon das einzige. Der Kot bestand ausschließlich aus unverdauten Körnern, mit einem weißen Urinanteil. Die Farbe, welche sonst dunkelbraun/schwarz ist, war gelb.
Ich hatte mich schon beim Kauf der Vögel nach dem nächsten vogelkundigen Tierarzt kundig gemacht, um im Notfall einen Ansprechpartner zu haben. Allerdings hatte ich diesen vorher noch nie benötigt, und es war somit mein erster Kontakt mit seiner Praxis. Da der 9.September 2007 ein Sonntag war, blieb mir nichts anderes übrig als die Notfallnummer anzurufen und mein Problem zu schildern. Der Tierarzt war sehr freundlich am Telefon und beruhigte mich, denn Amadeus verhalten zeigte ansonsten keinerlei Auffälligkeiten, er war fidel, sang, flog, balzte, fraß und trank, alles ganz normal. Nur eben sein Kot der war auffällig und das sogar für mich als blutigen Anfänger. Der Tierarzt meinte ich sollte die Situation weiter beobachten, und wenn sich der Zustand verschlechtert, könne ich als Notfall kommen. Erstmal war ich beruhigt. Ungünstig wie es in solchen Situationen immer ist, hatte ich die Woche darauf ein Seminar und war somit von Montag bis Mittwoch nicht zu Hause.
Am Montag habe ich noch schnell Fotos in das Forum gestellt und um Meinungen zur Situation gebeten, dort wurde mir umgehend und dringendst geraten alles zu Unternehmen, Amadeus so schnell wie möglich einem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen da der Kot alles andere als ungefährlich aussah. Ich setzte mich somit sofort noch mal mit der Tierarztpraxis in Verbindung, und schilderte meine Situation und bat darum mit Amadeus als Notfall noch schnell vorbeikommen zu dürfen. Dazu muss man sagen, dass sich die Tierklinik in Metten befindet und das ist von Straubing, einfache Wegstrecke ca. 36 km entfernt und ich sollte eigentlich zu diesem Zeitpunkt, in zwei Stunden auf den Weg zum Seminarort sein um dort rechtzeitig einzutreffen. Die Sprechstundenhilfe teilte mir mit, dass eine Vorstellung des Vogels unmöglich sei, da der Doktor komplett belegt ist. Mir wurde schon im Vorfeld, von anderen Vogelhaltern gesagt, dass ich in dieser Praxis immer einen Termin ausmachen muss, da man ansonsten sehr schwierig zu einer Behandlung kommt. Allerdings konnte ich den akuten Zustand beim besten Willen nicht vorhersehen, und Notfall ist in meinen Augen Notfall. Ein vogelkundiger Arzt sollte wissen wie schnell so ein kleiner Organismus in einen kritischen Zustand gerät, wenn der Stoffwechsel nicht ausreichend gewährleistet ist. Allerdings wurde mir angeboten eine Kotprobe vorbei zu bringen, auf deren Ergebnisse ich warten könne. Ich also ab nach Hause, alles Notwendige eingepackt, und wie ein blöder nach Metten gerast. Dort bekam ich den Doktor, wie angekündigt gar nicht zu Gesicht. Die Praxishilfen machten die parasitäre Untersuchung, welche ohne Befund blieb, und teilten mir mit, dass ich die mikrobiologischen Ergebnisse in ca. 3 Tagen erfragen könnte. Als frühest möglicher Termin wurde mir der 18. September 2007 zugeteilt.
Die drei Tage Seminar, waren die Hölle für mich, ich erkundigte mich täglich mehrmals bei meiner Freundin, nach dem Zustand von Amadeus, diese konnte mir glücklicherweise keine negativen Veränderungen mitteilen. Als ich am Mittwoch wieder zu Hause war, bekam ich im Forum, die Adresse einer Tierärztin mit besten Referenzen aus München. Man riet mir, ihr die Situation zu schildern, und sie um Rat zu fragen. Das tat ich auch umgehend, und sie sagte mir, dass Amadeus`s Situation absolut lebensbedrohlich ist, vor allem in anbetracht der Tatsache dass der Zustand schon seit fünf Tagen vorhält. Sie prophezeite, dass wenn ich Amadeus nicht in den nächsten Tagen in ärztliche Behandlung bekomme, ich ihn nur noch zur Obduktion vorlegen könnte. Nach diesem Telefonat rief ich direkt im Anschluss die Tierarztpraxis in Metten an und bekniete die Praxishilfe mir einen früheren Termin zu geben, ich berief mich auch auf die Tierärztin aus München um die Dringlichkeit zu unterstreichen. Nach kurzer Rücksprache mit dem Arzt, teilte mir die Praxishilfe lapidar mit: „Na, dann müssen sie eben nach München fahren!“. Jetzt war ich erstmal sprachlos! Sofort rief ich wieder die Münchner Ärztin an schilderte ihr mein Gespräch, sofort bekam ich für den nächsten Tag einen Termin bei ihr, sie sagte mir schon am Telefon, dass für sie vor allem eine Megabakterieninfektion oder eben PDD zur Frage stehen.
Donnerstagmorgen machte ich mich gleich in der früh auf den Weg nach Taufkirchen, Leopold nahm ich auch mit, damit Amadeus nicht auch durch die Trennung von ihm zusätzlich gestresst würde. Die Fahrt verlief auch sehr ruhig, wobei ich sowieso zwei so brave Vögel habe. In der Praxis angekommen, nahm sich die Tierärztin ausgiebig Zeit für mich und meinen Problemfall. Während meines Besuches waren auch keine anderen Patienten bei ihr in der Praxis. Sie erklärte mir ganz genau worum es sich bei Megabakterien und auch bei PDD handelt, und welche Untersuchungen von ihrer Seite her geplant seien. Sie fragte mich noch nach einer möglichen Bleivergiftung, da dies für das spätere Röntgen wichtig war. Dies konnte ich aber verneinen, da in dem Zimmer in welchem meine Vögel untergebracht sind garantiert kein Blei vorhanden ist. Anschließend wurde Amadeus gewogen, er brachte es auf 75 Gramm, einerseits ein sehr geringes Gewicht, allerdings wenn man bedenkt, dass er schon seit knapp einer Woche das Futter nicht mehr ordentlich verwerten konnte, doch noch ein recht gutes Gewicht. Dann nahm sie eine Kotprobe und untersuchte diese auf Megabakterien, solche konnte sie aber nicht feststellen. Jetzt bekam Amadeus ein Kontrastmittel in den Kropf, das für die spätere Röntgenaufnahme wichtig war.
Vormittags war ich knapp zwei Stunden bei ihr mit Amadeus in Behandlung. Sie sagte mir, dass sie jetzt noch zu einem Hausbesuch müsse, und ich so gegen 15.00 Uhr wieder zu ihr kommen solle um die weiteren Ergebnisse und die Therapie zu besprechen. Ich war pünktlich zur vereinbarten Uhrzeit wieder bei ihr und sie teilte mir die Ergebnisse der Röntgenbilder mit. Amadeus hatte die Narkose gut überstanden, die Bilder allerdings zeigten einen deutlich erweiterten Drüsenmagen. Da sie wie schon gesagt, keine Megabakterien finden konnte, mussten wir davon ausgehen das es sich um PDD handeln muss. Leider ist ein definitiver Nachweis dieser Krankheit nur durch eine Gewebeprobe möglich und kann bei lebenden Tieren fast nur im Ausschlussverfahren diagnostiziert werden. Der Therapieplan sah eine konsequente Futterumstellung, von der üblichen Körnermischung auf ein geeignetes Pelletalleinfutter vor. Zusätzlich musste ich ihm einmal täglich ein entzündungshemmendes Mittel (Celebrex-lösung) und zweimal täglich ein Anti-Pilzmittel (Amphomoronal) mit einer kleinen Spritze (ohne Nadel) in den Schnabel eingeben. Außerdem musste das Gewicht sehr genau beobachtet werden, da es jetzt vor allem darauf ankam Gewicht zu zulegen. Zuletzt zeigte sie mir noch an Leopold, wie ich Amadeus am schonendsten Einfangen kann und ihn halten muss, um ihm seine Medikamente vernünftig geben zu können.
Die folgenden vier Wochen waren nervenaufreibend. Ich hatte das große Glück, dass beide Vögel das neue Futter sofort annahmen. Dies war die größte Gefahr, denn Nymphies sind im Allgemeinen sehr wählerisch was das Futter angeht, und brauchen im Normalfall ewig, bis etwas Neues angenommen wird. Aber meine haben anstaltslos sofort die Pellets gefressen. Auch die Medikamenteneingabe gestaltete sich Anfangs schwierig, ich bekam aber innerhalb kürzester Zeit so eine Routine, dass dies auch kein Problem mehr darstellte. Die folgenden Wochen ging das Gewicht von Amadeus langsam aber kontinuierlich nach oben.
Heute hat er ein Gewicht von konstanten 83 Gramm. Er braucht keine Medikamente mehr und ist ein aufgeweckter kleiner Kerl, der mich jeden Tag aufs Neue mit seiner Lebensfreude verzaubert. Wir sind uns seitdem näher als jemals zuvor und haben ein ganz besonderes Verhältnis zueinander. Die Tierärztin stellte mir in Aussicht, wenn keine unvorhergesehenen Krankheiten auftreten, hat er eine ganz normale Lebenserwartung.
Ich möchte damit all jenen Mut machen, die auch irgendwann einmal mit der Diagnose PDD konfrontiert werden. Die Krankheit ist ernst zu nehmen, und gefährlich, aber sie ist kein Todesurteil, und betroffene Vögel können bei entsprechender Pflege ein ebenso lebenswertes wie glückliches Leben führen. Ich hoffe, dass ich ihn noch möglichst lange bei mir haben kann und freue mich darauf was die Zukunft bringt!
Nachtrag Oktober 2008
Dieser Zustand hielt bis Anfang Mitte/Ende Februar 08. Auf den Tag genau ein Jahr nachdem sie bei mir eingezogen waren, verbrachte ich wieder einen ganzen Tag bei meiner Tierärztin. Der Grund hierfür war eine Polyurie von Amadeus und ein massiver Gewichtsverlust von den bis dahin stabilen 86 Gramm auf 75 Gramm.
An diesem Tag wurde er mal wieder von oben bis unten durchgecheckt. Angefangen bei einer Kotuntersuchung auf Viren, welche negativ war, bis hin zu einer umfangreiche Blutanalyse mit Blutauszählung. Ebenfalls gemacht wurde eine Zinkwertsbestimmung.
Die Ergebnisse waren nicht gut. Es war ein junges regeneratives Blutbild ersichtlich, das bedeutet die Zusammensetzung des Blutes ungewöhnlich viele neue Blutzellen auf, was entweder einen größeren Blutverlust in der Vergangenheit (innerlich oder äußerlich) voraussetzt, oder aber auch Hinweis auf einen Entzündungsherd in einem der Organe zur Ursache haben konnte.
Die Zinkwertbestimmung brachte auch stark erhöhte Werte zu Tage. Daraufhin wurde die Voliere innerhalb kürzester Zeit komplett auf Edelstahlgitter umgerüstet. Ins Wasser wurde jetzt täglich ein Proteinpräparat (Amynin) gegeben und das Gewicht wurde täglich kontrolliert.
Es setzte eine kurze Phase der Erholung ein und er nahm wieder auf 83 Gramm zu. Dann in der ersten Aprilwoche der nächste Schock, Amadeus fing an Körner zu würgen. Den Weg zu meiner Tierärztin find ich mittlerweile im Schlaf, diesmal blieb er eine Nacht zur Beobachtung. Er wurde von ihr Gefüttert, da er nicht selbstständig gefressen hatte. Außerdem wurde ein Antibiotikum gespritzt.
Die Krankheit hatte wohl auch die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft gezogen, und dies war dann auch der Auslöser für das Körnerwürgen. Nachdem mir die Tierärztin nach weiteren Telefonaten ankündigte, dass ich wohl bald dazu gezwungen sein werde einen Tierarzt in Straubing aufsuchen zu müssen um ihn einschläfern zu lassen.
Glücklicherweise, direkt nach dem Telefonat stabilisierte sich der Zustand und Amadeus hörte auf Körner zu würgen und hielt sein Gewicht von 76 Gramm.
Im Laufe der Zeit zogen Sissi, Sophia und Polly bei uns ein. Das alles machte Amadeus sichtlich Freude. Er lebte auch mehrfach mit Sophia sein Sexualleben aus.
Anfang September fiel mir wieder auf das Amadeus keinen sehr fitten Eindruck machte. Ich wog ihn aber das Gewicht war in Ordnung. Am 3. September abends, ich kam gerade von der Arbeit nach Hause, sah ich das Amadeus am Ende seiner Kräfte war. Er konnte auch das Pelletfutter nicht mehr verwerten. Beim wiegen hatte er nur noch 61 Gramm. Ich wusste jetzt ist ihm nicht mehr zu helfen. Nachmittags hatte ich nach Rücksprache mit der Tierärztin noch Antibiotika besorgt und sie wollte mir ein Schmerzmittel schicken. Ich rief sie an und teilte ihr mit, das dies nicht mehr notwendig sei, da Amadeus im Begriff ist zu sterben und wohl ein Eintreffen der Medizin nicht mehr erleben würde und auch eine Behandlung keinen Sinn mehr macht.
Wir hielten ihn abwechselnd in den Händen und verabschiedeten uns ausgiebig von ihm. Dann setzten wir ihn zurück zu den anderen in den Käfig.
In der Nacht erlosch sein Lebenslicht. Amadeus wurde von uns im Garten beerdigt und wird dort nun immer sein Grab haben.